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Macintosh Classic II

Was ist ein Simasi-Mac?

Der Begriff des Simasi-Mac's stammt von einer japanischen Website. Simasima heißt im japanischen schlicht Zebra-artig gestreift und ein Simasi-Mac ist ein kompakter Macintosh mit einem typischen Defekt: Der Rechner bootet nicht mehr, läßt keinen Startton mehr hören und zeigt auf dem Bildschirm horizontale oder vertikale Streifen oder sogar Schachbrettmuster. Manchmal wird dieser Fehler auch als "Mac in Jail" bezeichnet.

Simasimac beim Apple Macintosh Classic II

Das typische Streifenmuster, manchmal nicht so klar sondern mit weiteren Strichen durchbrochen, entsteht durch auslaufende Kondensatoren. Beim Fehlerbild des Simasi-Mac sind nur die Kondensatoren auf dem Mainboard betroffen.

Im Computer werden leistungsfähige Kondensatoren eingesetzt um Spannungsschwankungen auszugleichen und den Strom zu "glätten". Mit steigender Leistung der Prozessoren und Grafikkarten stieg auch die Schaltleistung der Komponenten und damit die Stärke der Spannungsspitzen. Die Kondensatoren müssen diese Spitzen auffangen und glätten, so daß in der Folge Kondensatoren mit immer größerer Kapazität und Spannungsfestigkeit benötigt wurden. Der einzige Kondensatortyp der diese Leistung zuverlässig bringen kann, ist der Elektrolytkondensator. Andere Kondensatortypen bringen bei der benötigten Größe nicht genügend Kapazität mit.

Leider altern die Elektrolytkondensatoren: Bei normalem Einsatz halten Elektrolytkondensatoren etwa 10 Jahre, danach verringert sich die Leistung und die Kondensatoren schlagen Leck. Werden die Kondensatoren höher belastet, verkürzt sich auch die Lebensdauer. Das Problem der ausgelaufenen Kondensatoren ist nicht neu und nicht auf Apple beschränkt, in diesem Jahr (2005) hat es Dell und IBM sogar bei neuen PC's erwischt.

Der ausgelaufene Elektrolyt ist sehr gut leitfähig und schließt auf dem Mainboard des Macintosh Classic II offene Leiterbahnen kurz. Dies führt beim Macintosh zu dem Simasi-Effekt. Der Streifen-Effekt ist übrigens für jeden Macintosh typisch: Bei Einschalten des Rechners werden bestimmte RAM-Blöcke des Bildschirmspeichers in bestimmten Mustern auf 0 und 1 gesetzt. Das Bild kann sich daher bei wiederholtem Einschalten ändern.

Anhand der angezeigten Muster läßt sich zumindest beim Macintosh SE/30 bestimmen welche Kondensatoren ausgelaufen sind und ausgetauscht werden sollten. Der Fehler tritt nicht unbedingt nur im laufenden Betrieb auf, meine beiden Classic II haben sich nach einer Lagerzeit von etwa 6 Monaten auf einmal als SimasiMac verabschiedet.

Was hat die Geschirrspülmaschine damit zu tun?

Beim Apple Macintosh Classic II wurde das komplette Mainboard in SMD-Technik (Surface mounted Device) gefertigt. Die Bauteile sind sehr klein und werden auf dem Mainboard zuerst verklebt und dann gelötet.

Kondensatoren auf dem Mainboard eines Macintosh Classic II

Die Kondensatoren enthalten nur kleinste Mengen Elektrolyt und wenn die Kondensatoren auslaufen, ist dies auf dem Mainboard nur im Ausnahmefall wirklich sichtbar. Der Grund für den Kurzschluß verbirgt sich oft genug in einem kleinen Tropfen Flüssigkeit unter dem Kondensator. Wie bekommt man den Elektrolyt dann unter dem Kondensator weg?

Traditionell würde man das Mainboard mit einem Tupfer und Alkohol reinigen. Das klappt beim Mainboard des SE/30 sehr gut, da die Kondensatoren noch traditionell in Bohrungen der Platine verlötet sind und etwas Abstand zur Platine haben. Beim Macintosh Classic II kommt man hier nicht weiter.

Die etwas radikalere Methode ist ein Waschgang in der Geschirrspülmaschine. Dem ausgebauten Mainboard wird auch noch der Speicher und die PRAM-Batterie abgebaut und anschließend wird das Board in der Geschirrspülmaschine gewaschen. Ich habe hierzu das Feinprogramm (Glas und Kaffeegeschirr bei 55 Grad) mit einer kleineren Menge Spülmaschinen-Pulver (kein Tab) verwendet. Anschließend wird die Platine in einem warmen Raum für mindestens einen Tag mit einem Draht am Schraubloch aufgehängt, so daß das restliche Wasser ablaufen kann und die Platine komplett trocknet. Der Reiniger ist sehr aggressiv zu allen Metalloberflächen, die externen Anschlüsse für SCSI und Diskettenlaufwerk sollten daher sehr zügig wieder getrocknet werden um Rost an den Abschirmblechen oder Oxidation der Kontakte zu vermeiden.

Die Platine bitte ohne zusätzliches Geschirr waschen und die Filtersiebe der Geschirrspülmaschine vor dem Platinenwaschgang reinigen. Essenreste könnten sich in kleinsten Ritzen auf der Platine absetzen und Kurzschlüsse verursachen.

Die Platinen und elektronischen Bauteile überstehen auch den Trocknungsgang der Spülmaschine. Bei den aufgesetzten Messerleisten (Stecker) und der Batteriehalterung besteht jedoch die Gefahr, daß sich die Bauteile bei großer Hitze verformen. Die Platine gehört daher bei allen Spülmaschinen mit offener Heizspirale in den Oberkorb. Im Oberkorb dürfen in allen Spülmaschinen auch empfindliche Kunststoffteile gewaschen werden. Wer einmal (hoffentlich billiges) Kunststoffgeschirr im Unterkorb gespült hat, weiß wovon ich spreche. Es gibt moderne Geschirrspüler mit Durchlauferhitzer: Bei diesen Geräten ist es egal, in welchem Korb sich die Platine befindet. Im Zweifel: Hauseigene Expertin fragen.

Nach den Diskussionen auf der amerikanischen Mailingliste Compact Macs können mit dieser Methode 9 von 10 Macintosh Classic II und Macintosh SE/30 wiederbelebt werden. Allerdings sollte auch klar sein, daß sich die Methode nicht endlos wiederholen läßt: Irgendwann sind die Elektrolytkondensatoren vollständig ausgelaufen und können Ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen, es kommt dann zu anderen Fehlern. Meine beiden Classic II haben die Behandlung mit Bravour überstanden, laufen im Moment problemlos und ich darf die Spülmaschine auch beim nächsten Mal benutzen.


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